Rico Brunner Blog | Audio-Podcast

Du grenzt dich natürlich ab, indem du nicht auf Kosten anderer Menschen zu dir selbst stehst

«Aus meiner Sicht ist die häufigste Ursache, dass sich Menschen nicht abgrenzen, weil sie Angst vor dem Echo haben, das zurückkommt», sagt Energiefeldmechaniker Rico Brunner.  Da brauche es viel Widerstandsfähigkeit, um zu sagen: „Nein. Das mache ich nicht.“ Und viel Charakterstärke und emotionale Stärke, um bei einem negativen Echo dabei zu bleiben und sich wirklich abzugrenzen.

Sich abzugrenzen sollte aus Sicht von Brunner etwas Natürliches sein. «Das sollte aus der inneren Stärke heraus entstehen. Und wenn man sich zuerst mit leichten Dingen auseinandersetzt und sich da abgrenzt, dann kann man an diesen wachsen und Kraft entwickeln», erklärt Brunner.

«Je wichtiger einem eine Situation ist, je wichtiger einem Menschen sind, desto schwieriger ist es, sich abzugrenzen», erläutert Brunner. Und da brauche es aus seiner Sicht einfach Übung und vielleicht auch den Mut zu sagen: «Ich muss nicht immer gewinnen, wenn ich mich abgrenze, sondern schlussendlich muss ich mich dabei wohlfühlen.» Sich abzugrenzen sei denn auch eine lebenslange Disziplin, die sich je nach Alter verändere.

Rico Brunner, was ist für Dich eine gesunde Abgrenzung?

Eine gesunde Abgrenzung beinhaltet für mich zwei Dinge: Auf der einen Seite, dass ich für mich meinen eigenen Raum definieren kann, dass ich mir meine Grenzen setzen kann. Gleichzeitig beinhaltet es aber auch, dass ich mit meiner Art Grenzen zu setzen, nicht mein Gegenüber oder mein Aussen einschränke und an die Wand spiele. Also Abgrenzung muss für mich ein kompromissloser Kompromiss sein, zu sich selber zu stehen und nicht auf Kosten von anderen Menschen.

Wieso können sich Menschen manchmal schlecht abgrenzen?

Wenn man sich nicht abgrenzen kann, dann hat das mit verschiedenen Funktionsstörungen zu tun. Auf der einen Seite können es Funktionsstörungen sein, die einen überfordern, wenn man mit gewissen Situationen konfrontiert wird. Dann hat man einen so grossen Stress, dass man eigentlich vergisst sich abzugrenzen, nicht weiss, wie man sich abgrenzen muss. Es können aber auch Funktionsstörungen sein, die bewirken, dass man so stark verletzt wurde, dass man Angst hat, sich abzugrenzen. Das können verschiedene Ängste sein. Das können Ängste sein, weil man Angst hat von der Reaktion des Gegenübers. Das kann aber auch die Angst sein, etwas falsch zu machen, wenn man für sich selber einsteht. Sich abzugrenzen ist für mich ein sehr, sehr komplexer Prozess mit sehr viel verschiedenen Faktoren. Wenn es eingespielt ist, dann funktioniert es ganz einfach, normal. Und wenn es nicht eingespielt ist, dann braucht es Zeit, bis man in eine natürliche Abgrenzung hineinkommt.

Jetzt könnte man ja auch sagen oder man hört das ab und zu: Du bist einfach zu lieb.

Ich glaube, lieb zu sein ist mal primär etwas Positives. Zu lieb zu sein heisst für mich einfach, dass die Dosis nicht stimmt. Jetzt kann man natürlich zu lieb sein und sich trotzdem abgrenzen. Man kann zu lieb sein und sich nicht abgrenzen. Ich glaube beim zu lieb sein als solches ist es wichtig, für sich selber zu schauen: Gebe ich mehr als dass ich geben kann? Das heisst, wenn ich gebe, habe ich dann für mich selber noch genügend, dass ich mich selber erhalten kann, dass es mir gut geht, dass ich mich nicht so aufopfere, dass ich am Schluss mich selber aus der Gleichung herausnehme und in dem Sinne nicht mehr da bin? Und dann gibt es natürlich noch das zu lieb sein, wo man sich nicht abgrenzen kann und anstatt dass man sich abgrenzt, dass man dann versucht, mit zu lieb zu sein, diese Grenze zu kompensieren. Das ist dann aber eine Überforderung, wo aus meiner Sicht ein Selbstschutz ist.

Was ja dann auch dazu führen dann, dass man das nicht durchziehen kann längerfristig, weil es einem eigentlich nicht entspricht.

Genau. Und weil man sich selber durch das zu lieb sein immer mehr in die Ecke drängt. Man müsste dann immer noch lieber sein und noch lieber sein und irgendwie funktioniert das nicht. Und dann kann es da auch zu einem emotionalen oder mentalen Zusammenbruch kommen aus der Überforderung heraus.

Wenn Du jetzt eine Klientin hast, wo Du merkst: Die kann sich nicht gut abgrenzen und leidet darunter. Wie arbeitest Du mit ihr?

Das ist wie immer sehr individuell. Ich glaube, was man wissen muss ist: Wenn man sich nicht abgrenzen kann, dann hat das eine Geschichte. Das hat Zeit gedauert, bis man sich nicht abgrenzen konnte oder bis man es verlernt hat, sich abzugrenzen. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig und darum braucht es oft Zeit. Das ist eigentlich das Wichtigste zu wissen. Ich mache dann eine Analyse des Energiefeldes, schaue was in der Mechanik nicht stimmt. Oft ist es so, dass das nicht abgrenzen zu können mit seelischen Verletzungen zusammenhängt, wo man sich vielleicht als Kind versucht hat abzugrenzen und dann gemaßregelt wurde, überfordert war. Und dann wie falsch etwas gelernt hat nach dem Motto: Dann sage ich lieber nichts. Dann komme ich nicht in die Schusslinie hinein. Das können der eine Grund sein.

Der andere Grund, der sehr häufig vorkommt, ist, dass man, wenn man sich abgrenzt, damit ja eine Aussage macht. Und diese Aussage löst im Gegenüber eine Reaktion aus. Und wenn man innerlich zu wenig stark ist, zu wenig widerstandsfähig ist, dann hat man Angst vor dieser Reaktion und grenzt sich darum eigentlich nicht ab. Aus meiner Sicht ist das fast die häufigste Ursache, dass sich Menschen nicht abgrenzen, weil sie Angst vor dem Echo haben, das zurückkommt. Und das braucht dann schon Widerstandsfähigkeit zu sagen: „Nein. Das mache ich nicht.“ Und wenn das Gegenüber dann sagt: „Okay, wenn Du das nicht machst, dann mag ich Dich nicht mehr.“ Oder: „Dann will ich mit Dir nicht weitergehen.“ Dann braucht es viel Charakterstärke, emotionale Stärke, ein grosses Fundament um zu sagen: „Okay. Unter diesen Voraussetzungen, obwohl es mir wichtig ist, will ich das auch nicht. Ich grenze mich wirklich ab.“

Und was passiert, wenn man sich ebenso halbherzig abgrenzt?

Also ich glaube halbherzig abzugrenzen ist mal besser als sich gar nicht abzugrenzen. Halbherzig abzugrenzen heisst aus meiner Sicht, dass man einfach noch nicht den Umgang gefunden hat oder die Kraft gefunden hat, es ganz durchzuziehen. Ich würde jemand, der sich nur halbherzig abgrenzen kann auf die Schulter klopfen und sagen: «Cool. Die eine Hälfte hast Du geschafft. Und jetzt arbeite daran, dass Du mit der Zeit auch die andere Hälfte, wo Du Dich nicht abgrenzen kannst, erarbeitest. Lass Dir ein, zwei Jahre Zeit. Das Leben dauert. Du hast genügend Zeit.» Damit man so eigentlich aus dem halbherzigen, ich sage mal in ein vollherzliches Abgrenzen hineinkommen kann, wo man dann auch aus einer Entspannung und aus einer Lockerheit heraus sagen kann: «Hier ist für mich meine Grenze.»

Ja. Aber bei dem Halbherzigen passiert ja auch oft, dass man sich zunächst abgrenzt, dann kommt die Reaktion und dann korrigiert man das wieder und versucht quasi die Wogen wieder ein bisschen zu glätten, oder?

Genau. Und das ist dann wieder eine Überforderung, wo man Mühe hat mit dem Echo. Und auch wenn man dann wieder einen Schritt zurück macht, ist es trotzdem ein Erfolg. Man ist bis zur Hälfte gegangen. Das ist ganz wichtig. Und jetzt muss man üben und überlegen: Wie kann ich es machen? Wie kann ich Stärke entwickeln, dass ich da nicht mehr zurückweiche, wenn ich für mich ein Statement abgebe und sage: «Hier ist für mich meine Grenze.»

Man muss aber auch sagen, das sind, auch wenn es vielleicht im Aussen für fremde Menschen nicht schwierig aussieht: Für die Betroffenen sind das Höchstleistungen und der Druck ist zum Teil unglaublich, den man überwinden muss, um wirklich ganz stehenzubleiben. Und ich glaube, was an dieser Stelle auch wichtig ist zu sagen: Man darf, wenn man sich abgrenzt, überfordert sein. Es darf schwierig sein. Es ist aber auch schön, wenn man sich diesen Schwierigkeiten und Überforderungen versucht zu stellen so gut wie man kann. Und wenn nicht oder wenn man die Kraft nicht hat, dann geht man halt einen Schritt zurück und versucht es später wieder.

Was sind jetzt Deine Tipps, wie man sich im Alltag besser abgrenzen kann?

Das Einfachste ist, wenn man sich im Alltag besser abgrenzen will, dass man sich zuerst an die leichten Dinge macht. Dass man sagt: «Okay. Ich schaue mal wo sage ich zu wenig Nein? Wo stehe ich zu wenig für mich ein in Bereichen, die mir eigentlich nicht so wichtig sind?» Und dass man dann beginnt, mit den einfachen Dingen zu üben, ohne sich zu verkrampfen. Und wenn man wie merkt: Ich habe das Abgrenzen da im Griff, weil das auch nicht zu schwierig ist, dass man dann, ich sage mal in den nächsten Level hineingeht, in die nächste Stufe hineingeht und sagt: «Okay, jetzt suche ich mir mal bewusst etwas Schwierigeres, wo ich mich versuche abzugrenzen, wo ich mich damit auseinandersetze.»

Was aber ganz wichtig ist zu sagen: Ich empfehle nicht, dass man sich zu stark ins Abgrenzen hineinsteigert, weil man sich dann verkrampft, man dann ein künstliches Abgrenzen bekommt und dadurch eigentlich dann am Ziel vorbeischiesst. Man hat zwar das Problem irgendwie gelöst, aber man ist dann doch nicht da, wo man sein möchte. Sich abzugrenzen sollte etwas Natürliches sein. Das sollte entstehen. Das sollte aus der inneren Stärke heraus entstehen und wenn man sich zuerst mich leichten Dingen auseinandersetzt und sich da abgrenzt, dann kann man an diesen wachsen und Kraft entwickeln.

Ganz schwierig ist es ja, sich innerhalb von der Familie abzugrenzen. Also zum Beispiel gegenüber den eigenen Kindern oder dem Partner. Wie kann man das auf eine herzliche Art machen?

Ich glaube das Wichtigste ist, dass man unterscheiden muss. Gerade bei Kindern und beim Partner ist natürlich ein Unterschied: Kinder sind den Eltern gegenüber hilflos, weil sie nur eine bedingte Eigenständigkeit haben. Ein Partner hat eine Eigenständigkeit. Von dem her muss man da mit unterschiedlichem Mass messen.

Ich glaube bei den Kindern ist es wichtig, dass die Abgrenzung so ist, dass die Kinder mit dieser Abgrenzung umgehen können und diese von der Abgrenzung nicht die ganze Zeit überfordert werden. Ich glaube bei Kindern würde ich weniger das Wort Abgrenzung brauchen, sondern mehr das Wort Konsequenz, weil die Kinder ja spezialisiert sind, immer wieder Grenzen einzureissen.

Und in der Partnerschaft geht es aus meiner Sicht darum, da wo es nötig ist für sich selber einzustehen, Standpunkte klarzumachen, ohne ein Prinzipienreiter zu werden. Also sich abzugrenzen heißt nicht, dass man starr einen Punkt vertritt, sondern die Abgrenzung darf sich entwickeln. Sie sollte sich eigentlich einfach nicht zum eigenen Nachteil entwickeln.

Und ich glaube, dass die leichteste Herausforderung ist, sich abzugrenzen an einem Punkt, der einem nichts bedeutet mit Menschen, die einem nicht interessieren. Das ist relativ einfach. Und je wichtiger einem eine Situation ist, je wichtiger einem Menschen sind, desto schwieriger ist es, sich abzugrenzen. Und da braucht es aus meiner Sicht einfach Übung und vielleicht auch den Mut zu sagen: «Ich muss nicht immer gewinnen, wenn ich mich abgrenze, sondern schlussendlich muss ich mich dabei wohlfühlen.»

Und da hat es ganz stark auch mit dem Gegenüber zu tun und das ist wichtig zu beachten: Wenn ich mich immer sehr stark abgrenzen muss, muss ich mir auch die Frage stellen: Liegt es an mir, dass ich mich wirklich zu wenig abgrenze? Oder liegt es am Gegenüber, dass er mich immer ins Abgrenzen hineinzwingt?

Vielleicht abschliessend: Was findest Du bei diesem Thema am wichtigsten?

Ich glaube, sich abzugrenzen ist eine lebenslange Disziplin, die sich je nach Alter verändert. Prioritäten verändern sich, Bedürfnisse verändern sich. Ich glaube, Abzugrenzen ist ein Prozess, der wirklich lebenslange dauert. Und das Schwierigste ist, wenn man mit sich selber zu streng ist, wenn man sich selber massregelt, weil man mal etwas nicht schafft. Und mein Tipp wäre oder das Wichtigste wäre aus meiner Sicht: «Wenn Sie sich versuchen abzugrenzen und es nicht klappt, seien Sie nett mit sich und versuchen Sie es weiter.»

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